Heartbeat
Die Organisation Heartbeat
Hintergrund
Die Realität in Südafrika ist katastrophal. Sterben die Eltern an Aids, bleiben meist mehrere hilflose Kinder zurück. Die Verwandten können sie häufig nicht aufnehmen, weil sie selbst zu arm oder gar infiziert sind. Dann muss das älteste Kind die familiäre und wirtschaftliche Verantwortung für die Geschwister übernehmen. Da das neue Familienoberhaupt weder Bildung noch Ausbildung hat
und in jeder Weise überfordert ist, sind die Chancen auf ein menschenwürdiges Leben für diese »Kinderfamilien« gleich null. Auf diese Weise wachsen in Südafrika ständig neue Generationen von Waisenkindern auf, deren Lebensumstände und Verhaltensweisen nur zu weiteren HIV-Infektionen führen – ein Teufelskreis. Das Aids-Programm der Vereinten Nationen schätzt, dass die Zahl der Aids-Waisen bis zum Jahr 2010 auf 2,3 Millionen ansteigen wird.
Um diese Entwicklung aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen, ruft Sunette Pienaar im Jahr 2000 die Organisation Heartbeat ins Leben. Diese gründet in besonders betroffenen Gemeinden Versorgungs- und Bildungszentren unter Führung der Gemeinde selbst. Nach dem Prinzip der Selbsthilfe arbeiten Freiwillige der Gemeinden in diesen Zentren, die die Waisenhaushalte mit Wasser, Strom, Schulmitteln oder öffentlichen Geldern unterstützen. Heute versteht sich Heartbeat als Organisation zum Schutz der Rechte von gefährdeten Kindern durch die Förderung von gesellschaftlichem Wandel in den betroffenen Gemeinden. Der Ansatz basiert auf den vier Prinzipien: Kinderrechte, Gemeindebeteiligung, nachhaltige Entwicklung und Partnerschaften. Heartbeat ist heute in 17 Gemeinden in mehreren Staaten aktiv und fördert die Verbreitung des Modells in einem bis zu 24-monatigen Trainings- und Mentorenprogramm für Organisationen, die an der Übernahme des Heartbeat-Modells interessiert sind.
Organisation:
In den 17 Gemeindezentren arbeiten 120 Angestellte von Heartbeat, die seit der Gründung bereits von über 800 Freiwilligen unterstützt wurden. Bindeglied zwischen Gemeinde, Waisenkindern und Heartbeat ist ein so genannter Gemeindeentwickler (»Community Development Facilitator« oder CDF). Er stammt aus dem jeweiligen Ort und ist Festangestellter bei Heartbeat. Zu seinen Aufgaben zählen die Organisation des Gemeindeforums, der Nachmittagsbetreuung (»After School Center« oder AFC) und die Auswahl der Waisenkinder. Im Gemeindeforum setzen sich Freiwillige der Gemeinde in gemeinsamen Treffen dafür ein, die Situation der Kinder zu verbessern. Heartbeat unterstützt das Forum mit einer Nachmittags-betreuung, die den Waisenkindern Raum für Freizeit- und Bildungsaktivitäten nach der Schule bietet. Freiwillige helfen bei den Hausaufgaben und geben Nachhilfe. Hier erhalten die Waisenkinder auch fehlende Schulmaterialien, Schuluniformen und eine Mahlzeit. Der Gemeindeentwickler sucht die gefährdeten Kinder nach drei Kriterien aus.
In Betracht kommen Kinder, die:
1. in einer von Kindern geführten Familie leben oder
2. in einer von Großeltern geführten Familie leben oder
3. potenzielle Waisenkinder sind, weil ihre Eltern bereits infiziert sind.
Die ausgewählten Kinder werden vom CDF regelmäßig in Hausbesuchen betreut und erhalten das Angebot, bestimmte Nachmittage im Nachmittagszentrum von Heartbeat zu verbringen. Heartbeat hat für die Finanzierung seines weit verbreiteten Modells mehrere Einnahmequellen gefunden. Neben der intensiven Akquisition von Spenden sind das beispielsweise der Verkauf von Bäckereiwaren und ein weltweites Sponsorenprogramm.
Das Management von Heartbeat – ob es nun um Finanzierung, Organisation, Kommunikation, Marketing oder Personal geht – ist sehr professionell und soll besser sein, als in vielen privaten Unternehmen Südafrikas.
Bei einem Besuch eines Community Centers im Township Nellmapius in Begleitung der Kommunikationsexpertin von Heartbeat Marcha Neethling können wir uns davon überzeugen. Wie hatte Sunette es im Interview ausgedrückt? »Wenn Sie mich vor drei Jahren gefragt hätten, warum wir so erfolgreich sind, hätte ich die Leidenschaft und das Pflichtbewusstsein meiner Mitarbeiter genannt. Heute sind wir erfolgreich, weil wir hohe Standards ansetzen.«
Wir sind nun davon überzeugt, dass Sunette Pienaars ehrgeiziges Ziel, in zehn Jahren 50.000 Kindern direkt zu helfen, nicht überzogen ist. Und vielleicht liegt sie ja auch mit ihrer Einschätzung der fernen Zukunft richtig: »Ich hoffe, dass es in 50 Jahren keine Aids-Waisen mehr geben wird.«




