Aids/HIV, Armut und mangelnder Bildungszugang im südlichen Afrika

Auf dieser Seite sind Informationen zum Zusammenhang von HIV/Aids, Armut und mangelhafter Bildung im südlichen Afrika zusammengestellt. Weiterführende Dokumente, Quellenangaben, Literaturtipps und Links sind hier zu finden.

 

HIV/Aids: Die Situation im südlichen Afrika

Laut UNAIDS waren im Jahr 2009 ca. 22,5 Mio. Menschen in Subsahara-Afrika mit dem HI-Virus infiziert. Besonders bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren ist die Infektionsrate sehr hoch. In der Folge sterben heute allein in Südafrika jeden Tag zwischen 800 und 1000 Menschen an den Folgen von Aids. Das südliche Afrika ist in den globalen Aids-Statistiken trauriger Spitzenreiter und von den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen der Krankheit am stärksten betroffen. Zwischen den HIV-Infektionen/Aids-Erkrankungen sowie akuter Armut und einem mangelhaften Bildungszugang besteht in dieser Region ein folgenschwerer Zusammenhang: die drei Faktoren ergeben einen verhängnisvollen Teufelskreis, der besonders Kindern und Jugendlichen früh die Chance auf Bildung und eine bessere Zukunft nimmt.

 

Der Teufelskreis im südlichen Afrika

Ausgehend von den hohen HIV-Infektionsraten im südlichen Afrika ergibt sich eine erschreckende Dynamik:

Teufelskreis

HIV/Aids verschlimmert die Armut im südlichen Afrika

Aids-Kranke können aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen bei fortgeschrittener Krankheit nicht mehr arbeiten und ihre Angehörigen versorgen. Dadurch verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation ihrer Familien und der Gemeinschaften, in denen sie leben. In der Regel werden die Kranken von ihren Angehörigen gepflegt – dadurch können weitere Familienangehörige ihr ursprüngliches Arbeitspensum nicht mehr erfüllen und die Einkommenslücke wird nochmals größer. Zudem fallen hohe Kosten für die Pflege an.

Armut verhindert Bildung

Die angespannte wirtschaftliche Lage in vielen Haushalten mit Aids-Kranken und Aids-Waisenkindern führt zu einem schlechteren Bildungszugang für Kinder und Jugendliche. In vielen Ländern des südlichen Afrikas (Südafrika, Namibia u.a.) müssen für den Schulbesuch Gebühren bezahlt werden. Außerdem entstehen weitere Kosten für Unterrichtsmaterialien und eine Schuluniform, die von den betroffenen Familien nicht aufgebracht werden können. In manchen Fällen müssen selbst die Kinder arbeiten gehen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen – für Schule bleibt weder Zeit noch Kraft.

Fehlende Bildung führt zu neuen HIV-Infektionen

Eine Primarbildung ist die elementare Voraussetzung dafür, Zugang zu wichtigen Informationen über Gefahren wie HIV/Aids erlangen und diese verstehen zu können. In vielen Ländern des südlichen Afrikas herrscht immer noch eine gefährliche Ignoranz gegenüber der Krankheit und den Übertragungswegen. Dazu gehört auch kulturell bedingter Irrglauben, der in der Vergangenheit teilweise auch auf höchster Ebene von Regierungspolitikern vertreten wurde. Eine schulische Ausbildung befähigt Kinder und Jugendliche dazu, sich selbständig mit der Krankheit auseinanderzusetzen und Zugang zu wichtigen Informationen zu bekommen. Außerdem ist eine schulische Grundbildung die Voraussetzung dafür, der Armut durch eine verhältnismäßig besser bezahlte Arbeit entkommen zu können.

 

Bildung schafft Zukunft

Eine schulische Primärbildung ermöglicht jungen Menschen den Zugang zu wichtigen Informationen und bietet ihnen die Grundlage, um „gesunde“ Entscheidungen im Leben treffen zu können.

Laut UNAIDS konnten im Jahr 2008 in den meisten Ländern des südlichen Afrikas weniger als die Hälfte der Jugendlichen zwei Übertragungswege von HIV nennen. Eine schulische Primärbildung befähigt Kinder zunächst dazu, Informationen lesen und verstehen zu können. Sie ist damit der Schlüssel dazu, dass sich Kinder und Jugendliche wichtige Informationen selbständig aneignen können. Gleichzeitig hat Bildung einen Einfluss auf die Möglichkeiten der weiteren persönlichen Entwicklung und die Fähigkeit, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen. Um beispielsweise Arbeit finden zu können und damit der Armut zu entkommen, ist in der Regel mindestens eine schulische Grundbildung erforderlich.

Gerade junge Frauen, die laut Studien stärker von HIV/Aids betroffen sind als junge Männer, können durch Bildung profitieren. Verschiedene Studien zeigen, dass Schulbildung dazu führt, dass Familien erst später gegründet werden. In vielen Ländern des südlichen Afrikas ist die HIV-Infektionsrate bei jungen Frauen zwischen 23 und 24 außerdem signifikant höher als bei Mädchen zwischen 15 und 17. Es ergibt daher Sinn, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich zu sensibilisieren.

„Ohne Bildung wird sich Aids weiter unaufhaltsam ausbreiten. Wenn jedoch Aids erst einmal außer Kontrolle ist, wird Bildung nicht mehr zu erreichen sein“

- Dr. Piot, Leiter UNAIDS a.D.

Die Auswirkungen von HIV/Aids auf den Bildungssektor

Durch die HIV-Epidemie sinkt zudem die Qualität der Schulbildung, da aufgrund der vielen Aids-Todesfälle insbesondere im Bildungssektor Fachkräfte fehlen. Folglich wird selbst der Bildungserfolg derjenigen Kinder durch die Aids-Epidemie beeinträchtigt, die es zunächst schaffen, Zugang zum Bildungssystem zu bekommen. Der schrumpfenden Erwerbstätigen-Generation im mittleren Alter steht daher eine wachsende Generation von Aidswaisen gegenüber, die ihr Recht auf Bildung entweder gar nicht wahrnehmen können oder nur selten in den Genuss qualitativ angemessener Bildungsmöglichkeiten kommen.

 

Go Ahead! engagiert sich mit gezielten Bildungsprojekten gegen den Teufelskreis

VorschuleGo Ahead! unterstützt Bildungsprojekte im südlichen Afrika, um dabei zu helfen, den Teufelskreis aus HIV/Aids, Armut und mangelndem Bildungszugang nachhaltig zu durchbrechen. Hierbei fördern wir ausschließlich Nichtregierungsorganisationen, die in den jeweiligen Gemeinschaften arbeiten. Es geht also nicht darum, neue Strukturen aufzubauen, sondern innovative Konzepte lokaler Organisationen zu unterstützen. Diese Projekte versprechen einen nachhaltigen Erfolg, da lokale Fachkräfte besser auf die besonderen lokalen Anforderungen und kulturellen Spezifitäten in den vorhandenen Strukturen eingehen können.

In diesem Zusammenhang fördern wir u.a. ein Lernzentrum mit Hausaufgabenbetreuung in Kwa-Zulu Natal, Südafrika, mit dem ca. 700 Kinder erreicht werden. Außerdem unterstützen wir mehrere Vorschulen in Südafrika und engagieren uns für das Jugendbotschafterprogramm, mit dem junge SüdafrikanerInnen zu FürsprecherInnen ihrer Generation ausgebildet werden. In Deutschland wollen wir junge Menschen für die sozialen Probleme im südlichen Afrika sensibilisieren. BreakTheCycle ist Teil dieser Bemühungen, um gemeinsam den Teufelskreis zu durchbrechen. Weitere Informationen über uns und unsere Projekte im südlichen Afrika und in Deutschland gibt’s hier im Netz. Hier erfährt man auch, wie man bei Go Ahead! mitmachen kann!

 

Quellenangaben und Literaturtipps